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Naturnahe Spiel- und Pausenplätze




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Naturnahe Spiel- und Pausenplätze




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1. Juli 2022 | Katja Glogner, Stiftung Naturama Aargau

A. Allgemeine Informationen

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d. Argumentarium Naturnaher Spiel- und Pausenplatz

Wie trägt ein naturnaher Spiel- und Pausenplatz zur positiven Entwicklung der Kinder bei?

Schülerinnen und Schüler verbringen unzählige Stunden auf dem Schulgelände: vor und nach der Schule, in der Pause, in der Freizeit oder während des Unterrichts draussen. Darum sollten sie geeignete Lern- und Erfahrungsräume vorfinden. Jedoch können viele Pausenplätze den Ansprüchen an ein anregendes Lernumfeld nicht genügen.

Viele Bewegungsabläufe sind auf einem klassischen Pausenplatz rasch uninteressant, weil sie vorgegeben sind: Eine Betonröhre erlaubt das Klettern (über die Röhre) oder das Kriechen (durch die Röhre), mehr nicht. Ein auf einer Feder wippendes Kunststoff- oder Holztier (Wipptier) gibt die Bewegung «hin und her» vor, eine Schaukel erlaubt nur vor- und zurückschaukeln – die Kinder hätten aber bestimmt noch viele andere Ideen, deren Umsetzung ein konventioneller Spiel- und Pausenplatz nicht unterstützt …

Vielen Schülerinnen und Schülern fehlen deshalb die motorischen und koordinativen Fähigkeiten für Aktivitäten wie z.B. über einen Baumstamm zu balancieren, Kindergartenkinder fallen teilweise sogar um, wenn sie über unebenen Boden gehen. Häufig ist der bestehende Spiel- oder Pausenplatz auch schlicht nicht mehr zeitgemäss, muss saniert werden oder erfüllt die Sicherheitsstandards nicht mehr. Das ist die Chance für eine grundlegende Veränderung!

Aus Sicht der Bewegungsförderung bieten interessant gestaltete, naturnahe Aussenräume den Schülerinnen und Schülern ein anregendes und abwechslungsreiches Lernumfeld mit hervorragenden Möglichkeiten, ihre psychomotorischen, kognitiven und sozialen Kompetenzen zu entwickeln und zu fördern: Stücke von Baumstämmen laden ein zum Klettern und Balancieren, Büsche zum Verstecken, Hänge zum Robben, Tiere zum Nachahmen. Freies Spielen, Naturerfahrungen und -erlebnisse regen die Fantasie – aus einem Holzstamm wird z.B. eine Lokomotive oder ein Schiff – sowie unterschiedliche Regionen im Gehirn an, wodurch die Kinder auch bessere Schulleistungen erzielen.

Beim Spiel draussen lernen die Schülerinnen und Schüler zudem Risiken einzuschätzen, und die Natur lädt auf vielfältige Weise dazu ein, Koordination und Geschicklichkeit, Ausdauer und Kraft zu trainieren. Diese körperlichen Aktivitäten reduzieren nicht nur Übergewicht, sondern unterstützen ebenfalls die Schulleistungen und bauen Aggressionen und Stress ab. Studien deuten darauf hin, dass Kinder weniger gewaltbereit werden, wenn sie ihre motorischen Grenzen kennen, und dass das Risiko für ADHS kleiner wird, wenn sie sich oft in der Natur aufhalten. [1,2,3,4]

[1] Gesundheitswirksame Bewegung – Bewegungsempfehlungen und Grundlagendokument: Health-Enhancing Physical Activity HEPA

[2] «Die Erfahrungen von Natur aus der Sicht moderner Hirnforschung» (Hüther, G., 2008, S. 17–28; aus Fachpublikation Bundesamt für Naturschutz BfN – Skripten 230: Kinder und Natur in der Stadt Spielraum Natur)

[3] Wissenschaftliche Studie: «Biodiversität, eine Garantie für Gesundheit?» (Akademie der Naturwissenschaften Schweiz SCNAT): pdf-Faktenblatt

[4] Erfahrungswerte aus Beratungen zu naturnahen Spiel- und Pausenplätzen (Naturama Aargau)